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Sie befinden sich hier: blog.boersennews.deAktuelles von der BörseAnalyse der Woche: Henkel-Aktie

Analyse der Woche: Henkel-Aktie

geschrieben von: Udo Bergstein am 21.12.2009 um 16:40 Uhr

Aktienanalyse Henkel

Henkel ist einer der weltweit ältesten Hersteller von Chemieprodukten und derzeit in über 120 Ländern der Erde vertreten. Der Konzern vereint einige der bekanntesten deutschen Konsumgütermarken unter sich. Von Persil und Spee in der Wasch-und Reinigungsmittelsparte über Fa und Schauma bei den Kosmetika und Körperpflegeprodukten bis hin zu Pritt und Pattex bei den Kleb- und Dichtstoffen (neudeutsch Adhessives Technologies). Vor allem beim dritten Geschäftsbereich, den Klebstoffen, hat Henkel auch einen breiten gewerblichen Kundenstamm, was allerdings besonders in Zeiten der Wirtschaftskrise, durch den Nachfrageeinbruch der Abnahmeindustrien dazu geführt hat, dass diese Sparte besonders in Mitleidenschaft gezogen wurde.

Die Wirtschaftskrise hat 2009 den stärksten Produktionseinbruch der Chemieindustrie seit 35 Jahren (Ölkrise) zur Folge. In diesem Licht sieht die Entwicklung von Henkel in den letzten Monaten durchaus positiv aus. Der grundsätzlich defensive Wert befindet sich derzeit etwa auf dem Vorkrisen-Niveau. Umsätze und Überschüsse sind auch durch die Krise hindurch gestiegen, im Jahr 2009 lag das operative Ergebnis bis zum Q3 sogar über den Erwartungen. Aber ist Henkel wirklich ein Investment wert? Hier ein paar Argumente:

Fundamentalanalyse

Das Jahr 2009 war für Henkel bisher ein Jahr der leichten Erholung. Zwar ist die Produktion der gesamten Chemieindustrie, wie erwähnt in diesem Jahr um etwa 10% eingebrochen und auch beim Konzern aus Düsseldorf wird das Ergebnis unter dem Vorjahresniveau liegen.

So sank im ersten Halbjahr das Henkel-Geschäft noch um 5,7%, im Q3 allerdings nur noch um 2,5%. Der Überschuss ist dabei mit 240 Mio. im dritten Quartal leicht gesunken. Der operative Gewinn liegt mit 290 Mio. über dem, durch weitreichende Umbaukosten belasteten Vorjahr.

Grundsätzlich hatte Henkel unterdurchschnittlich unter der Wirtschaftskrise zu leiden. Zwar fiel der Umsatz etwas enttäuschend aus. Man blieb aber mit knapp 3,5 Milliarden aber immerhin über den vorherigen drei Monaten. Der Verschuldungsgrad liegt nahezu unverändert auf Konkurrenzniveau. Die Finanzlage hat sich bis September 09 äußerst positiv entwickelt. Der Cashflow aus laufender Geschäftstätigkeit hat sich um 570 Mio. auf 1,18 Mrd. erhöht. Die flüssigen Mittel haben sich mehr als verdoppelt (um 650 Mio. auf 990 Mio.) 2009 wird der Konzern eine Dividende von 0,50 € ausschütten (3 Cent weniger als im Vorjahr), für 2010 rechnet man derzeit mit 0,55 €, was einen neuen Rekord darstellen würde.

Einen großen Beitrag zur Profitabilität liefert das bereits 2008 initiierte Restrukturierungsprogramm Global Excellence, wovon man sich auch weiterhin positive Effekte erwartet. Genau dieses Programm verursachte allerdings gemeinsam mit der Eingliederung des übernommenen Konkurrenten National Starch doppelt so hohe Kosten, wie erwartet, Es ist hier also noch deutliches Potenzial vorhanden. Darüber hinaus kann mit einer Entspannung auf den Rohstoffmärkten und dementsprechend sinkenden Kosten in den kommenden Jahren gerechnet werden.

Betrachtet man die einzelnen Geschäftsbereich, so wird deutlich, dass vor allem die Kosmetiksparte durch Stabilität glänzt. Eine derartige Dynamik, wie in den letzten Monaten ist allerdings in naher Zukunft im Verbrauchergeschäft nicht zu erwarten. Die sogenannten Adhessives Technologies stellen derzeit noch den schwächsten Teil des Unternehmens dar, erholte sich aber etwas.

Die dynamischste Entwicklung verspricht derzeit der Bereich Waschmittel. Die Sparte soll auch 2010 stärker wachsen als der Markt. Gründe hierfür liegen vor allem in der großen Präsenz der Henkel-Marken in Schwellenländern und einem branchenweiten Produktionsanstieg von etwa 5%.

Technische Analyse

Ausgehend vom Allzeithoch im Vorkrisen-Sommer 2007 von etwa 37 € hat sich der Kurs bis Ende 2008 auf 17,50 € mehr als halbiert. Seitdem hat ein fulminanter Aufwärtstrend eingesetzt. Von einer Erholung zu sprechen wäre untertrieben. Derzeit wird das Papier wieder um das Allzeithoch gehandelt. Fraglich ist jedoch, wie stabil dieser Trend ist. Kaufsignale von RSI bzw. MACD sind längst passé, eine Bezeichnung als überkauft kann sicher nicht als völlige Fehlinterpretation angesehen werden. Die Societe General sieht noch Kurspotenzial bis 40 €. Viel mehr ist allerdings nicht realistisch.

Fazit

Henkel hat eine Jahresrendite von etwa 65% erzielt. Sicher kann man angesichts dieser Zahl von einem äußerst erfolgreichem Jahr 2009 sprechen. Allerdings wurde das Papier im Zuge des allgemeinen Kursverfalls während der Wirtschaftskrise zu stark abgewertet.

Aus fundamentaler Sich spricht kaum etwas gegen ein Investment. Erlöse und Gewinne zeigen sich weitgehend unbeeindruckt von Problemen der Branche. Der Konzern verfügt über eine, seit Jahren vernünftige Finanzlage. Mit seinen drei Geschäftsbereichen ist das Unternehmen hier sicher sehr gut aufgestellt. Hier wird seriös und anständig gewirtschaftet.

Die Tatsache, dass die Aktie derzeit fast auf Rekordniveau ist bereitet aber etwas Bauchschmerzen. Die Jahresendrallye hat sicher einiges dazu beigetragen. Doch was passiert, wenn sich die Investoren vom weitgehend defensiven Geschäft der Henkel AG abwenden?

Es ergibt sich also eine merkwürdige Situation. Das Unternehmen entwickelt sich gut. Der Kurs ist allerdings fast schon zu hoch, um davon nachhaltig profitieren zu können.

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  • Tags: Aktien, Analyse, Börse,
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