ThyssenKrupp-Aktie – Analyse der Woche
geschrieben von: Udo Bergstein am 17.12.2009 um 13:46 UhrAktienanalyse ThyssenKrupp
ThyssenKrupp ist der größte Stahl- und Rüstungsproduzent in Deutschland. Die Finanzmarktkrise und die sich anschließende Rezession haben den Konzern im zu Ende gehenden Jahr 2009 mächtig zugesetzt. Im Geschäftsjahr 2008/09 wurde das schlechteste Ergebnis der Unternehmensgeschichte mit einem Nettoverlust von 1,9 Milliarden Euro und einem Umsatzeinbruch von 24 Prozent auf 40,6 Milliarden Euro erwirtschaftet. Ursache für die Entwicklung ist das Stahlgeschäft, dass für die Konzernaktivitäten besonders bedeutend ist. So wie das Stahlgeschäft in den Bommjahren von 2002 - 2007 für ein Großteil des Gewinns gesorgt hat, so ist es in diesem Jahr für den hohen Verlust verantwortlich. Hier soll nun untersucht werden, ob die Thyssen Krupp Aktie eine lohnenswerte Investition darstellt oder wegen der unsicheren wirtschaftlichen Entwicklung eher zu meiden ist.
Durch die Wirtschaftskrise und dem horrenden Verlust im abgelaufenen Geschäftsjahr wird der Konzern grundlegend umgebaut. Im Zuge der Umstrukturierung sollen 20.000 Arbeitsplätze wegfallen. Dies wird sowohl durch den Verkauf von Konzerntöchtern als auch Kündigungen erreicht. Zu den Verkäufen zählen unter anderem die Töchter Thyssen Industrieservice und die Traditionswerft Blohm + Voss.
Fundamentalanalyse
Im abgelaufenen Geschäftsjahr 2008/09 sanken die Auftragseingänge des Konzerns um 35 Prozent auf 36 Milliarden Euro. Auch der Umsatz ist um 24 Prozent gesunken. Der Umsatzrückgang sowie die Baukosten zweier neuer Stahlwerke in Brasilien und den USA auf der Ausgabenseite haben zu dem größten Verlust in der Unternehmensgeschichte in Höhe von 1,9 Milliarden Euro geführt. Trotz des hohen Verlustes schüttet der Konzern dieses Jahr eine Dividende an die Aktionäre in Höhe von 0,30 Euro je Aktie aus. Durch das negative Marktumfeld hat sich die Finanzposition des Konzerns deutlich verschlechtert, was durch eine gestiegene Verschuldung und einer Abnahme des Eigenkapitals zum Ausdruck kommt. Das führte zu einer Rating-Herabstufung des Konzerns von BBB- auf BB+ (Kein Investment-Grade mehr!) durch die Rating-Agentur Standard & Poors und somit zu höheren Refinanzierungskosten des Konzerns in Zukunft.
Für das laufende Geschäftsjahr sieht die Entwicklung besser aus als angenommen. Der Grund liegt in der günstigen wirtschaftlichen Entwicklung. So entwickelt sich die Konjunktur in Deutschland und anderen Teilen der Welt dynamischer als es Prognosen vorausgesagt haben. Diese wirtschaftliche Dynamik führte dazu, dass sich die Auslastung bei der Stahlproduktion von unter 50 Prozent auf inzwischen 80 Prozent verbessert hat. Ab einer Auslastung von 80 Prozent ist die Stahlproduktion wieder gewinnbringend. Unsicherheiten ergeben sich unter anderem durch den unklaren Ausblick des Automobilsektors für das kommende Jahr. Auch China wird im Laufe des nächsten Jahres wieder zum Nettoexporteur von Stahl werden und somit die Weltmarktpreise für erzeugten Stahl drücken. Weiterhin ist die zukünftige Entwicklung der Rohstoffpreise ungewiss.
Thyssen Krupp möchte den Verlust durch eine Umstrukturierung des Konzerns und durch den Verkauf von Konzernteilen abbauen. Des weiteren sollen 5.000 Stellen im Konzern gestrichen werden. Der Free Cash-Flow (nach Investitionen etc.) ist zwar negativ, aber der laufende Cash-Flow des Unternehmens zeigt sich trotz der konjunkturbedingten Veränderungen im abgelaufenen Jahr sehr stabil (rd. 3,7 Mrd. EUR).
Technische Analyse
Von Mitte 2008, dem Höhepunkt des Rohstoff- und Stahlbooms, kannte die Aktie nur noch die Richtung nach unten bis zum Kurs von 12,22 Euro. Das war eine Korrektur von 75 Prozent und somit gehört die Aktie zu den Top Verlierern im DAX. Seit dem Tief hat der Kurs eine Erholung bis zuletzt 25,00 Euro vollzogen. Dem weiteren Aufwärtstrend ist aus charttechnischer Sicht nichts entgegen zu halten. Der RSI liegt über seiner Neutralitätszone und der MACD zeigt ein Kaufsignal, da der MACD die Signallinie von unten nach oben gekreuzt hat.
Fazit
Thyssen Krupp hat ein schwieriges Geschäftsjahr hinter sich. Auch der Aktienkurs kannte bis April nur die Richtung nach unten. Seit dem hat sich der Kurs von seinen Tiefständen teilweise wieder erholt. Die Frage ist nun, ob die Aktie noch weiteres Potential nach oben bietet. Aus charttechnischer Sicht ist dem nichts entgegen zu setzen. Die Fundamentalfaktoren zeichnen ein widersprüchliches Bild. Einerseits sind die gestiegenen Finanzierungskosten sowie die künftige Entwicklung der Rohstoffpreise als Risiko zu betrachten. Andererseits ist die schnelle gesamtwirtschaftliche Erholung und die Umstrukturierung des Konzerns als positiv zu werten. Weiterhin ist auch zu nennen, dass die Lagerbestände an Stahl niedrig sind, was zu einer steigenden Nachfrage nach dem Produkt führen wird. Die positiven Faktoren überwiegen bei der Betrachtung. Sollte es zu keinen gravierenden konjunkturellen Einbrüchen mehr kommen, besteht für die Aktie noch weiteres Aufwärtspotential.
- Tags: Aktie, Aktien, Aktienkurs, Analyse, ThyssenKrupp,
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