Investmentfonds und ihre Kosten
geschrieben von: Udo Bergstein am 02.09.2010 um 14:26 UhrInvestmentfonds sind bei Kleinanlegern ein sehr beliebtes Instrument. Häufig geschieht die Auswahl aber nicht mit der gebotenen Sorgfalt. Fondsanteile zu kaufen und zu halten ist oft kostspieliger als zuvor gedacht. Die Angabe der Total Expense Ratio in den Verkaufsprospekten und Rechenschaftsberichten ist in der Regel unzureichend und intransparent. Aus diesem Grund will ich hier kurz erläutern, was hinter den Begriffen steckt und welche Kosten zusätzlich anfallen können.
Die Total Expense Ratio (TER) spiegelt die jährlichen Kosten eines Fonds wider und stellt somit eine Art Betriebskosten dar. Neben Verwaltungs- und Bankgebühren vereint die TER weitere Kosten für Wirtschaftsprüfer, Kursveröffentlichung und Berichtserstellung unter sich. Verwaltungsgebühren werden in der Regel durch erfolgsabhängige Vergütungen des Fondsmanagements ergänzt oder ersetzt.
Die TER wird direkt aus dem Fondsvermögen gezahlt, d.h. die Gesellschaft verkauft Fondsanteile. Natürlich sind das nicht alle anfallenden Kosten und entsprechend niedrig ist die TER häufig (Die durchschnittliche TER beträgt bei deutschen Aktienfonds derzeit etwa 1,5 % - 2,5 %). Es ist somit nicht verwunderlich, dass Fondsgesellschaften vor allem diese Kennzahl in den Vordergrund stellen, aber selbst ein sinnvoller Vergleich der Ratios zweier Fonds ist nicht möglich. Es existieren keine gesetzlichen Richtlinien zur Erstellung dieser Kenngröße, nur Empfehlungen des BVI.
Für Anleger noch bekannter dürfte der Ausgabeaufschlag sein. Hiermit wird ein Agio bezeichnet, das beim Kauf der Anteile erhoben wird und die Vertriebskosten decken soll. An dieser Stelle befindet sich Sparpotential. Über das Internet vermittelte Fonds werben oft mit einem Ausgabeaufschlag von 0% und auch Ihr Bankberater hat an diesem Punkt immer noch etwas Spielraum. Unter Umständen existiert auch eine Rücknahmegebühr. Informieren Sie sich hierfür im Vorfeld, welche Kosten bei den einzelnen Fonds anfallen. Hier bieten wir Ihnen eine Übersicht zu Fonds ohne Ausgabeaufschlag.
Die Feststellung, dass Investmentfonds Wertpapiere kaufen und verkaufen ist trivial. In der Regel werden die daraus entstehenden Kosten aber nicht ausreichend beachtet. Vor allem die Handelskosten sollten genauer unter die Lupe genommen werden. Eine US-Studie bringt besonders hohe Handelskosten mit einer unterdurchschnittlichen Performance in Verbindung, während mittlere Handelskosten zu überdurchschnittlichen Erträgen führen. Fondsmanager die sich also in Aktionismus verrennen schaden ihren Kunden. Auch Courtagen und Steuern fallen für Fondsgesellschaften an. Man denke hier nur an die diskutierte Börsenumsatzsteuer oder die amerikanische Vermögensverkehrssteuer. Spreads und market-impact-costs spielen vor allem bei weniger liquiden Aktien eine Rolle. Während der Spread, wie sicher bekannt, die Differenz zwischen Angebots- und Nachfragekurs ist, will ich zu den market-impact-costs ein paar Worte mehr verlieren. Es gibt eine sehr große Bandbreite an Fonds. Einige bewegen bei ihren Transaktionen weniger Anlegervermögen, andere handeln mit riesigen Kapitalsummen. Diese Summen können dann die Kurse der zu kaufenden Aktie beeinflussen, bevor die gesamte Order ausgeführt ist. Der Fondsmanager muss entscheiden, ob er lieber den schlechteren Preis akzeptieren oder weniger Wertpapiere erwerben will. Er wird vom gewünschten trade abgehalten und es entstehen Opportunitätskosten.
Die zusätzlich zum TER anfallenden Kosten können Fonds zwei- bis dreimal teurer werden lassen. Anleger sollten möglichst genau Verkaufsprospekte und den letzten Rechenschaftsbericht prüfen. Die Komplexität der Kostenstruktur erschwert dies enorm. Weder gibt es verbindliche Richtlinien der Veröffentlichung noch geben Fondsgesellschaften offen Auskunft über die genaue Zusammenstellung der Kosten. In Deutschland ist es z.B. üblich Kostenanteile in absoluten Zahlen anzugeben. Die Intransparenz gegenüber den Anlegern ist gewollt. Vorschläge wenigstens den Umschlag des Fondsvermögens als Annäherung an entstehende Handelskosten anzugeben werden zurückgewiesen.
Wieso ist es aber nötig die Kosten so genau zu kennen, wo doch ohnehin die Nettoperformance der Fonds angeben wird? Ohne diese Informationen ist es nicht möglich zu erkennen, wie viel Kapital eingesetzt werden muss, um eine Benchmark oder eine bestimmte Performance zu erreichen. Das Morningstar Rating führt eine Bewertung von Investmentfondsrenditen unter Berücksichtigung von Kosten und Risiken durch. Der Anleger erhält somit einen fairen Überblick über die Wertentwicklung verschiedener Fonds.
Auch wenn es einiger Mühe bedarf. Die genaue Analyse ihrer Fonds lohnt sich. Zwei Prozent weniger versteckte Kosten und damit höhere Nettorendite bringen Ihnen in 25 Jahren 60% mehr Ertrag.
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